Exitplanning

3 Gründe, warum Sie Ihre Ruhestandsplanung ernsthaft überdenken sollten

Juni 29, 2017

Rente mit 62, 65 oder später. Nur, wer entscheidet darüber? Klar, Sie allein. Oder doch ein System? Ihr Unternehmen? Eine Abfindung? Ihre Finanzstärke? Oder eine Krankheit?

Was nun, denken Sie. Marinov, komm doch endlich zum Punkt, höre ich Sie schnaufen. Zeit ist Geld…

„Doch ruhig Blut, Brauner.“ So versucht man mich immer wieder zu beruhigen, wenn mein kroatisches Blut in Rage gebracht wird.

Meist durch notorische Links- oder Mittelspurfahrer auf der Autobahn, obwohl ganz rechts alles frei ist.

Leider habe ich das bis heute noch nicht im Griff und rege mich sinnlos darüber auf. Ab und zu erinnere ich mich an Jens Corssens Quatschi und mein Puls normalisiert sich. Aber genug damit.

Vielleicht ist es heute an der Zeit, Ihren Puls im positivem Sinne in Wallung zu bringen.

Wie? Indem Sie ernsthaft über Ihre Zukunftsplanung, respektive Ruhestandsplanung, nachdenken und das traditionelle System infrage stellen.

Wenn Sie, so wie ich, die 40er Marke bereits oder vielleicht längst überschritten haben, ist es an der Zeit, die zweite Halbzeit des Lebens zu planen.

#1 Wir kennen unsere Restlaufzeit nicht

Wir alle kennen Geschichten aus unserem Umfeld, in denen Stefan mit 65 in Rente geht und ihn zwei Jahre später das Zeitliche segnet.

40 Jahre und länger geschuftet, um nichts mehr vom langersehnten „Jetzt wird alles besser- Paradies“ zu haben.

Aber immerhin freut sich einer: das Finanzamt – der tollen Erbschaftsteuer sei Dank.

Nur warum bis 65 warten und nicht früher aufhören, vielleicht mit 55? Oder warum überhaupt aufhören zu arbeiten, wenn es doch vielen Unternehmern, Selbstständigen und Führungskräften Spaß bereitet?

Ich vermisse solche Diskussionen, wenn es um die klassische Rente geht.

#2 Die trügerische Hoffnung

Sind Sie mit Ihrer aktuellen Situation zufrieden? Fühlen Sie sich in ein System gepresst, was Ihren Vorstellungen nicht entspricht?

Der Grund könnte darin liegen, dass uns allen der Ruhestand als fehlerhafte Idee verkauft wurde.

Eine Idee, die uns dazu bringt, einer Arbeit nachzugehen, die uns vielleicht keine Freude bereitet, um Geld anzuhäufen, welches wir ab Rentenbeginn brauchen, um endlich die Dinge zu tun, die wir tun wollen.

Diese Hoffnung ist der Motivator hinter dem Konzept des „In-Rente-Gehens“, die leider so viele von uns anspricht.

Als Finanzplaner habe ich diesen Ansatz leider auch viel zu lange praktiziert. Planen bis 65 und sterben mit 85.

Und meine Kunden haben mitgespielt und das System nie infrage gestellt – es als gegeben hingenommen.

Auch meine Planung sah lange so aus. Bis meine Mutter starb und mir schließlich sieben Jahre später ein Licht aufging.

Jetzt ist mein Ziel, mit 55 finanziell unabhängig zu sein. Ob ich dann noch arbeiten werde, fragen Sie? Ich hoffe es, aber nicht mehr so viel.

Auch wenn meine Arbeit meine Berufung ist, möchte ich doch viele Facetten des Lebens auskosten.

Wie sieht die Realität vieler Rentner aus? Es mag überraschend für Sie sein, aber viele von ihnen sind nicht glücklich mit ihrer Entscheidung.

Der klassische Ansatz funktioniert einfach nicht für jeden.

Gerade habe ich einen Podcast gehört, in dem von einem Anwalt die Rede war. Dieser hatte gerade seinen 60. Geburtstag gefeiert und konnte es nicht ertragen, ständig nach seinem geplanten Ruhestand gefragt zu werden.

Diese Erwartung aus seinem direkten Umfeld ärgerte ihn ziemlich. Als ob er schon dem Tod und der fehlenden Daseinsberechtigung geweiht wäre, so beschreibt er seine Gefühlswelt.

Vielleicht ergeht es Ihnen aber auch so, wie einem 78-Jährigen Bauunternehmer. Auf die Frage, warum er noch arbeitet, antwortete dieser: „Weil ich es kann.“

Jeder Mensch sehnt sich nach Anerkennung und Zugehörigkeit. Aber auch nach Freiheit, um die eigenen Ziele und Interessen zu verfolgen. Getreu dem Motto: „Ich alleine entscheide, was ich wann, wo und mit wem machen will“.

Die nötige Finanzstärke zu haben, bietet sicherlich attraktive Optionen, um seinem Motto gerecht zu werden.

Doch Geld alleine ist nur ein Teil der Gleichung. Ohne eine gesunde Work-Life-Balance oder Work-Life-Harmony wird die Gleichung nicht aufgehen.

Bedenken Sie bitte zwei sehr wichtige Schritte bei der Planung Ihrer eigenen Exit-Strategie:

  1. Bestimmen Sie den Pfad, den Sie gehen wollen. Möchten Sie weiterarbeiten oder ganz damit aufhören oder eine Kombination aus beidem? Haben Sie einen Partner, ist es wichtig, diesen in den Prozess miteinzubinden. Die Scheidungsrate ist bei über 50-Jährigen sehr hoch und bei 2 von 3 ist die Ehefrau der Initialzünder.
  2. Erstellen Sie einen Plan und halten Sie sich daran. Damit erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit, Ihre wichtigsten Ziele zu erreichen.

Diese beiden Schritte werden Ihnen helfen, Ihr Leben so zu leben, wie Sie es sich wünschen und mit den Ihnen zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln.

Dies alles geschieht zu Ihren Bedingungen und nicht vorgefertigt durch ein System. Denn viele verstehen einfach nicht, dass sie nicht aufhören müssen zu arbeiten, um mit dem Ruhestand zu beginnen.

Das Leben kann uns alle vor Herausforderungen stellen, die unseren Kurs radikal verändern können.

Gerade deshalb ist es wichtig, neben der Zukunftsgestaltung auch die eigene Finanzplanung den Umständen und Veränderungen im Laufe der Zeit anzupassen.

Was Sie beispielsweise heute interessiert, könnte Sie schon in zehn Jahren langweilen.

Ebenso hat ein schwerer Schlaganfall einen radikalen Einfluss auf Ihre Zukunftspläne, wie auch eine Scheidung.

Mit entsprechenden finanziellen Rücklagen und Vorkehrungen schützen Sie Ihre Freiheit und können jederzeit den Kurs ändern, ob Sie wollen oder müssen.

#3 Mit Renteneintritt wird mein Leben entspannter und besser

Viele von uns haben schon genug vom Ruhestandsleben unserer Eltern oder Bekannten gesehen, um zu wissen, dass dies nicht den eigenen Vorstellungen genügt.

Unser Leben soll geprägt sein von

  • positiven Herausforderungen
  • Produktivität
  • Bedeutung
  • Stimulation
  • erfüllenden Tätigkeiten.

Dabei kann es sicherlich nicht schaden, etwas vom Gaspedal zu gehen und das Tempo zu verlangsamen.

Es braucht keine wissenschaftlichen Studien, um zu wissen, dass die meisten Menschen wirklich glücklich sind, wenn sie sich mit dem beschäftigen, was sie lieben.

Ihre vorhandene Finanzstärke sollte daher immer einem höheren Zweck dienen, nämlich Ihre Ressourcen für die Themen einzusetzen, die Ihnen wirklich wichtig sind.

Dabei möchte ich mit einer provokanten Frage schließen:

Welchen Sinn ergibt eine gewonnene (finanzielle) Freiheit, um nichts anderes damit anzufangen, als Golf zu spielen?

Es klingt wie eine tolle Idee, täglich drei Stunden auf dem Grün zu stehen, aber zum wahren Glücklichsein bedarf es mehr.

Eine Neudefinition der eigenen Zukunftsplanung sollte die Balance zwischen Entspannung und Berufung im weitesten Sinne berücksichtigen.

Wie Sie den Ruhestand definieren, liegt bei Ihnen.

Fazit und Anleitung zum ersten Schritt

Der klassische Ansatz vom Ruhestand wird uns als fehlerhafte Idee verkauft.

Eine Idee, die uns dazu bringt, einer Arbeit nachzugehen, die uns vielleicht keine Freude bereitet, um Geld anzuhäufen, welches wir ab Rentenbeginn brauchen, um endlich die Dinge zu tun, die wir tun wollen.

Diese Hoffnung kann trügerisch sein.

Besser ist es, seine Zukunft selber zu gestalten und sich systemunabhängig zu machen. Wenn Sie bis zum 80. Lebensjahr arbeiten wollen, dann tun Sie das. Wenn Sie mit 50 Jahren aufhören wollen, um zu relaxen, dann tun Sie das.

Es ist Ihr Leben. Sie sollten es bestimmen.

Das Arbeitsblatt Exit-Beobachtungen hilft Ihnen, erste Erkenntnisse zu sammeln und sanft mit dem Thema zu beginnen.

Am besten funktioniert dies gemeinsam mit Ihrem Partner.

Die Gespräche daraus können Gold wert sein.

 

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