Exitplanning

Downsizen? Exit? Smarte Persönlichkeiten fordern den Status Quo heraus.

April 4, 2017

Telefongespräch mit Ute, Jahrgang 1967.

Marin: Ute, wie geht es dir, seit deinem Exit als Unternehmerin? Fehlt dir dein altes Leben? Ist dir langweilig?

Ute: Ganz im Gegenteil, Marin. Ich fühle mich pudelwohl. Von Langeweile keine Spur. Gassi gehen im Wald, lesen und Freunde treffen, Fitnessstudio und Sauna. Ich kann dir sagen, die Zeit vergeht wie im Flug. Nur das eine hätte ich nicht erwartet: Mein Sohn denkt, ich könnte jetzt vor lauter Freizeit verblöden.

Fassen wir das mal kurz zusammen. Eine gestresste Unternehmerin erfüllt sich ihren Traum und steigt mit 48 Jahren aus dem Hamsterrad aus. Es geht ihr gut. Sie liebt ihre Freiheit. Sie liebt ihr neues Leben und gönnt sich zwei Jahre „Nichtstun“, um neue Ideen zu bekommen.

Wenn da nicht die Stimmen von außen wären. Und diese haben es in sich.

Bei Ute prallte die abwertende Aussage ihres Sohnes ab.

Aber wie steht es um kränkende Aussagen durch Unternehmerfreunde oder Kollegen aus der Führungsetage? Wie kannst du jetzt bloß aufhören? Was machst du mit der vielen Zeit? Den ganzen Tag Gartenarbeit und deiner Familie auf den Wecker fallen?

Die Absicht, etwas in Ihrem Leben verändern zu wollen, ist vorhanden. Wenn da nicht die Stimmen wären.

Viel zu oft hören wir darauf, was andere Menschen Negatives zu uns sagen. Sie wurden nicht gefragt und geben trotzdem „wohlgemeinten“ Rat. Die Angst überkommt uns und besiegt letztendlich unseren Mut. Alles bleibt beim Alten.

Der Traum, vom Manager zum Oldtimerrestaurateur, löst sich in Luft auf. Dann warte ich eben noch 15 Jahre, bis ich in Rente gehe.

Als ich mit 23 Jahren entschied, mich selbständig zu machen, hörte ich auch solche Stimmen.

Als junger Vater weiß ich jetzt, dass es meine Eltern nicht böse mit mir meinten. Bei einigen Freunden schwang sicher auch etwas Neid mit. Frei über seine Zeit verfügen zu können, wer möchte das nicht? Hätte ich den Ausstieg aus meinem langweiligen Angestelltendasein nicht gewagt, wäre ich wahrscheinlich heute ein… egal was, es kam nicht dazu und darauf bin ich stolz. Nur, mit damals 23 Jahren hatte ich leicht zu reden. Geringe finanzielle Verpflichtungen, keine Kinder, keine Partnerin, einfach nur Single.

Was soll da groß passieren?

Aber in mir war dieser Drang. Wie bei vielen anderen auch. Lassen wir Thomas Fritz zu Wort kommen. In seinem Buch „Der Downsizer“, schreibt er folgendes:

„So spürt der erfolgreiche Controller, dass er eigentlich viel lieber etwas Künstlerisches machen würde, der weltweit herumreisende Manager spürt, dass er am liebsten zu Hause ist, der ständig am Schreibtisch sitzende Mitarbeiter fühlt, dass er am liebsten körperlich arbeiten würde, der sich in ständigem Trubel befindende Verkäufer sehnt sich nach der Ruhe im Wald, der andere Menschen aufgrund von Renditevorgaben fehlberatende Investmentbanker sehnt sich nach einer moralischen Betätigung usw.

Diese Menschen spüren, dass sie eine von den Eltern, den gesellschaftlichen Umständen, dem familiären Umfeld, der damaligen Situation geschuldeten Umständen geprägte Rolle angenommen haben und in etwas hineingerutscht sind, dass nicht ihren innersten Bedürfnissen entspricht.

Sie nehmen aber normalerweise diese Rolle an und leben sie oft ein Leben lang, weil sie sich einreden, dass alles in Ordnung ist und sie sich nicht trauen, aus diesem geordneten Umfeld auszubrechen.

Das sind dann die Menschen, die immer von einem Ausstieg träumen, immer davon reden, aber doch leider viel zu selten den Mut aufbringen, ihre Rolle zu wechseln, um endlich ihre Bestimmung zu leben.

Oftmals brauchen diese Menschen eine Aufmunterung oder ein Ereignis von außen, das sie dann „zwingt“, ihre ungeliebte Rolle aufzugeben und ihr Leben zu leben.“

Bei Thomas sah das wie folgt aus:

Woche 0: Endlich ist es so weit – Ich habe genug – Macht euren Mist alleine – Ich steige aus.

Nach ca. 6000 Arbeitstagen, 1,3 Mio. selbst gefahrenen km, 25 Flughäfen, 12 verpassten Flügen, 4 verloren gegangenen Koffern, 4000 Hotelübernachtungen, 240 Gesellschafterterminen, 20 Firmenneugründungen, 1 Goldenen Lenkrad, 4 Turnarounds, 10 verpassten Kindergeburtstagen und 8 vergessenen Hochzeitstagen, 1 Scheidung, 5 verloren gegangenen besten Freunden, 10 000 Geschäftsessen und 25 kg Übergewicht ist es nun endlich so weit:

Ich höre auf, bzw. neudeutsch: Ich size down.

Diese Entscheidung entstand natürlich nicht über Nacht, sondern war ein langer Prozess, der mit meinem 40. Geburtstag, zu Beginn einer kleinen Midlife-Crisis auf einer einsamen Ranch in Arizona beim Cowboyspielen begann.

Thomas ist ein smarter Held. Er hat es geschafft. Er hat sich getraut und wurde belohnt. Es war ein langer Prozess. Der Weg zur Bergspitze ist mühsam und schwer. Mutige Entscheidungen müssen getroffen werden, um die Hürden zum Gipfel zu meistern. Aber keine Sorge. Ich helfe Ihnen dabei.

Welche finanziellen Überlegungen Sie zur privaten Exit-Strategie vornehmen müssen, können Sie hier nachlesen.

Wenn Sie ernsthaft an einer Veränderung interessiert sind, sollten Sie sich die folgenden Fragen beantworten:

Was hindert Sie daran, Ihr Leben zu leben?

  • Zu wenig Zeit?
  • Zu wenig Geld?
  • Gesundheit?
  • Job?
  • Perspektivlosigkeit?
  • Familie?

-> Was ist es bei Ihnen persönlich?

  • Wie viel Zeit bräuchten Sie mehr, um Ihr gewünschtes Leben zu leben?
  • Wie genau stellen Sie sich Ihr Leben vor?
  • Was sind Ihre Zeitfresser?
  • Warum fressen die Ihre Zeit?
  • Warum lassen Sie das zu?

Ist der erste wichtige Schritt getan, fängt der Stein an zu rollen. Gedanken müssen strukturiert und priorisiert werden. Gespräche mit der Familie, mit Mitarbeitern, Vorgesetzten, Stakeholdern, Lieferanten stehen an.

Das alles ist nicht ohne.

Beginnen Sie in Ihrem Inneren aufzuräumen. Manche müssen dazu zwei Tage ins Kloster, andere wiederum in ein gutes Hotel oder ein fremdes Land.

Doch die Erkenntnisse daraus sind Gold wert. Denken Sie an Ihre verbleibende Zeit auf dieser Erde. Wir kennen sie nicht. Aber sie ist begrenzt.

Beginnen Sie heute oder spätestens in drei Tagen mit Ihrer Lebensplanung. Danach hat Sie der Alltagslärm wieder fest im Griff und Ihre innere Stimme wird es schwer haben, Gehör zu finden.

Wie mir einer der einflussreichsten Menschen seiner Zeit, Dr. Stephen Covey, bei meiner Lebensplanung half und was dies mit meinem 40. Geburtstag zu tun hat, können Sie hier lesen.

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