Smart investieren

Meine 3 größten Fehlentscheidungen in der Geldanlage

November 28, 2017

Machen Finanzprofis Fehler? Ja, auf jeden Fall.

Dürfen Sie Fehler machen? Eine spannende Frage. Was denken Sie?

Haben Sie als Privatanleger Fehler bei der Auswahl Ihrer Geldanlage gemacht?

Ganz zu Beginn meiner Laufbahn empfahl mir ein Finanzprofi den Kauf der EM-TV Aktie.

Das war mein Fehler Nr. 1, denn ich hörte auf ihn.

Ich kaufte bei 6 Euro, in der Hoffnung, der Kurs würde sich wieder bei 120 einpendeln. Falsch gedacht und Geld vernichtet.  Nicht nur bei EM-TV, sondern auch mit anderen Aktienspekulationen.

Warum habe ich überhaupt weiter gehandelt?

Ganz einfach. Wenn Sie Aktien für 1 Euro kaufen und für 50 Euro verkaufen, dann löst das schon Glücksgefühle aus. Ganz zu schweigen von einem Optionsschein mit Renditen von 180 % an einem Tag. Man hält sich für unbesiegbar und allwissend.

Obwohl ich BWL mit dem Schwerpunkt Finanzdienstleistungen studiert habe, kam es im Jahr 2008 zu Fehler Nr. 2: Dem Kauf des Geldmarktfonds SEB Money Market.

Zu dieser Zeit arbeitete ich für das Beratungshaus der comdirect. Die Bank empfahl uns das Wertpapier als Ersatz für ein Tagesgeldkonto. Der Fonds hatte schließlich ein 5 Sterne Rating von Morningstar. Top Ergebnisse waren damit vorprogrammiert. Zudem müssten wir keinen Ausgabeaufschlag bezahlen.

Dann kam der Crash von Lehman und der SEB Money Market verlor über 40 %.

Wie konnte das sein?

Durch den Einsatz von Asset Backed Securities (ABS).  Es handelt sich hierbei um strukturierte Anleihen, die mit Forderungen unterlegt und besichert sind und wie wir mittlerweile alle wissen, wesentlich zur Subprime Krise beigetragen haben.

Das war also mein Ersatz für ein Tagesgeldkonto. Chapeau comdirect – Chapeau Marin Marinov. Die Schuld liegt trotzdem bei mir, ich hätte ja das Kleingedruckte lesen können. Was mich auch zum nächsten Fehler kommen lässt.

Im Einkauf liegt der Gewinn heißt es so schön.

In meiner Geldanlage habe ich auch auf Einzelfonds und auf Dachfonds gesetzt.

Liegen bei Einzelfonds die Kosten im Schnitt bei ca. 3 % p.a., kommen bei Dachfonds schnell noch 2 Prozentpunkte dazu, also 5 %. Diese 3-5 % muss der Fonds- bzw. Dachfondsmanager erst einmal verdienen, um seine Gebühren auszugleichen.

Dass das Spiel für mich und alle Anleger nicht gut enden kann (von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen), liegt klar auf der Hand und ist mittlerweile wissenschaftlicher Standard. Fehler Nummer 3 also.

Diese Fehler taten weh. Ich habe Geld verloren. Aber letztendlich hat es mir enorm weitergeholfen. Seit 2011 lese ich das Kleingedruckte, lese Informationen fern vom Mainstream und überprüfe Aussagen vermeintlicher Experten.

Folgende Schlussfolgerungen möchte ich Ihnen daher gerne mit an die Hand geben, sollte bei Ihnen ein Gespräch mit einem Finanzprofi anstehen.

Was habe ich und was können Sie aus meinen Fehlern lernen:

  • Angst und Gier sind die heftigsten Emotionen bei der Geldanlage. Bei den meisten meiner Kaufentscheidungen ging Gier voraus. Geht es auch anders? Ja, das Wissen über Märkte, über sich und seine Erwartungen hilft die Emotionen im Griff zu halten. Ein Blick in die Kapitalmarktforschung zeigt, wie Anleger hervorragende Renditen erzielen können (meine liegen bei über 8 % p.a.) und das bei voller Kontrolle.

 

  • Spekulieren ist nichts anderes als das Setzen auf Rot oder Schwarz im Casino. Es besteht eine 50/50 Chance. Für den langfristigen Vermögensaufbau bzw. -erhalt sollten Sie diese Art des Investierens nicht verwenden. Meinen Kunden empfehle ich die Assetklasse „Spielgeld“ – also Geld, welches nicht gebraucht wird und für den Nervenkitzel verwendet werden kann.

 

  • Bei der Auswahl von Investmentfonds können Sie Berichte von Ratingagenturen getrost vernachlässigen. Oder würden Sie Ihrem volljährigen Nachwuchs empfehlen, zukünftig nur noch mit Hilfe vom Rückspiegel Auto zu fahren? Auf Basis von Vergangenheitswerten einzelne Investmentfonds auszuwählen ist nicht smart.

 

  • Lassen Sie sich nicht von Angeboten Ihrer Bank locken. Keinen Ausgabeaufschlag zu zahlen ist reines Marketing. Sie sparen sich hier zwar etwa 0,2 % bei der Gesamtrendite, wenn der Investmentfonds aber Kosten von 3-5 % produziert, bringen Ihnen die 0,2 % auch nichts. Sie haben de facto Geld vernichtet.

 

  • Investieren Sie in kostengünstige Anlageprodukte wie ETFs. Aber Vorsicht. Auch hier wird schon Schindluder betrieben. Erst neulich empfahl einer der Hauptverantwortlichen für ETFs bei einer großen Privatbank, die Amerikagewichtung zugunsten Europas zu reduzieren. Aktives Markttiming mit ETFs. Ein Honorar-Anlageberater kann Ihnen hier definitiv besser weiterhelfen, ebenso eine gute Lektüre wie die von Prof. Walz – Einfach genial entscheiden in Geld- und Finanzfragen.

 

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