Exitplanning

Welcher gut verdienender Unternehmer oder Manager träumt nicht auch mal davon?

März 23, 2018

Exitplanning – Klar gezeichnetes Zukunftsbild

Welcher gut verdienender Unternehmer oder Manager träumt nicht auch mal von einem Aussteigerleben? In der Realität aber sieht die schöne Welt finanziell dann oft weniger entspannt aus. Mit einer fein durchgerechneten Strategie kann der Ausstieg dennoch gelingen.

von Harro von Lieres- erschienen in Chefbüro Ausgabe März 2018

Adam S. hat einen Traum. Seinen Lebensabend möchte er mit seiner Frau auf einem alten Bauernhof verbringen. Den würde er sich nach seinem Geschmack umbauen und sanieren. Daneben ein bisschen ökologische Landwirtschaft betreiben und antike Möbel sammeln. An einem Ort, wo es einfach nur schön ist.

Und er hat einen Plan. Er ist Teilhaber einer gut gehenden Firma, die für Versandhäuser und Lieferzentralen die technische Logistik plant und entwickelt. Der 49-Jährige ist Ingenieur und will noch maximal fünf Jahre arbeiten und dann aussteigen.

Das Kaufmännische in der Firma hat er stets anderen überlassen, sein Part ist die Technik. Und so fragt er seinen Steuerberater, ob er sich den Ausstieg finanziell überhaupt leisten kann. Der fühlt sich naturgemäß mit dieser Frage und ihren vielen Variablen überfordert. Aber er rät, sich einem so genannten Exitplanner anzuvertrauen. Einem wie Marin Marinov aus Karlsruhe. Ein Exitplanner ist so etwas wie ein Finanzplaner und Ausstiegsberater in einer Person.

Dort kommt alles auf den Tisch: monatliche Ausgaben und Einnahmen, eine Bewertung seines Firmenanteils, die vermietete Eigentumswohnung in Berlin, die familiären Verhältnisse. Es sieht gut aus – auf den ersten Blick:

Anteiliger Unternehmenswert 650.000 Euro, monatliches Netto-Einkommen: 9.700 Euro, Mieteinnahmen 1.100 Euro, Resthöfe inklusive Restaurierung kosten mindestens 330.000 Euro, 8.700 Euro, Altersvorsorgebezüge ab 63 Jahre von 5.800 Euro, Wertpapierdepot 770.000 Euro, Tages- und Festgeldkonten 890.000 Euro, Bausparverträge 120.000 Euro.

Nach einer Woche sieht man sich wieder. Der Exitplanner hat alles durchgerechnet und analysiert. Dann der Schreck. Das Geld wird für Adam und seine Frau maximal bis zum 74ten Lebensjahr. Denn sobald das Aussteigerleben beginnt, übersteigen die Ausgaben die Einnahmen.

Liquiditätsentwicklung pro Jahr – Exit in 2022

„Die anfängliche Selbstüberschätzung der eigenen finanziellen Möglichkeiten ist eher die Regel“, sagt Marinov. „Es beginnt schon damit, dass die Mandanten keine Preissteigerungen einkalkulieren oder nicht einmal ihren Cashflow kennen.“ Andere Ausgaben für die Kinder oder
Unterstützung der Eltern werden schnell verdrängt. Zur Verwirklichung des Traums schlägt der Exitplanner eine Änderung der Exit-Strategie vor.

Liquiditätsentwicklung kumuliert – Exit in 2022

Die Alternativ-Strategie findet sich wieder in einem so genannten Exitplan, in dem auch weiche Faktoren wie Wertvorstellungen, die Bedeutung von Vermögen und Sicherheit  und die praktische Umsetzung der Exit-Phase eine Rolle spielen. Am Ende steht ein klares Bild über die finanzielle Zukunft des Mandanten. „Diese ist zwar manchmal nicht ganz so rosig wie ursprünglich ausgemalt, dafür aber eine realistische und immer noch schön“, so Marinov.

Viele Positionen im Exitplanning sind fix. Selbst das Leben in fernen Ländern lässt sich damit simulieren. Marinov: „Die Variable ist der Mandant oder die Mandantin selbst.“ Er meint – neben dem Cashflow – auch die Kunst, Risikobereitschaft und die Renditeerwartung für das zurückgelegte Kapital in Einklang zu bringen.

Zur Optimierung der Kapitalanlage gehört für ihn zwingend dazu, provisionsfreie und kostengünstige Anlage-Vehikel einzusetzen. Beispielsweise so genannte Exchange Traded Funds (ETF). Sie sind deshalb so kostengünstig, weil sie nicht wie Investmentfonds aktiv gemanagt werden. Und die allermeisten weisen zudem eine bessere Performance als die Fonds der Investmentfondsgesellschaften aus.

Jetzt fehlt Adam nur noch eins: Der Resthof.  Gerade hat er eine Internetanzeige gesehen. Ein Hof in Südengland. Warum nicht?

Der Autor dieses Beitrags, Harro von Lieres, ist freier Journalist. Erschienen ist der Artikel in Chefbüro.

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